Naturschutzprojekt RANQUAS
auf dem Larzac bei St. Jean de Buèges
Hinweis: Unter www.naturschatz.org
finden Sie eine ausführliche Darstellung zum Naturschutzprojekt Ranquas
Angezogen durch den Artenreichtum der noch weitgehend intakten Natur, versuchen
wir seit 1981 mit engagierten französischen Umweltschützern im Rahmen
einer Steinadlergruppe Biotop- und Flächenschutz in den hiesigen Lebensräumen
und Jagdgebieten dieser Greife zu betreiben. Konkret beinhaltet diese Arbeit Gründung
von Naturschutzgebieten und ihre Pflege durch angepasste Land- und Waldbaumethoden
und sie geht bis hin zur Unterstützung von Wanderschafsherden.
Doch in einer Hochburg der Jäger und ihrer Interessensverbände, ist
sie von vielen Rückschlägen begleitet. Die Erfolge unseres engagierten
Projektes, den Mut zum Weitermachen verdanken wir zum sehr großen Teil den
Unterstützern aus dem europäischen Ausland, mit deren finanzieller oder
arbeitsmäßiger Hilfe viel realisiert werden konnte, was dazu beiträgt,
die Lebensräume der Garrigue, des Eichen-Elsbeerenwaldes des Ranquas und
die extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften zu erhalten. Die intensiven Landnutzungstechniken,
Objekt europäischer Förderung, drängen diese Landschaften mehr
und mehr in den Hintergrund und entziehen Tier- und Pflanzenwelt ihre Lebensgrundlage.

Steinadler 2004 - Eltern mit 6 Monate altem Jungvogel (rechts) am Futterplatz
Der Steinadler dient uns als Symboltier: zusammen mit dem hier ausgestorbenen
Wolf und Luchs steht er an der Spitze der Nahrungspyramide; in unserem Gebiet
weist er eine kleine, aber heute beachtliche Population von 12 Paaren auf, die
es zu erhalten gilt; Anzeichen eines noch intakten Lebensraumes. Der Steinadler,
gern benutzt als Symbol der Stärke und Macht wird so auch zum Indikator der
Zerbrechlichkeit der Natur. Seinen menschlichen Benutzern müssen wir den
Wert dieses Gebietes vermitteln, um ihn erhalten zu können.
Aufgeteilt wird der um das Sérannegebirge liegende Aktionsbereich des
Naturschutzprojektes in die Steinadlerjagdgebiete, die sich auf 100-150 Quadratkilometer
belaufen. Auf den über 500 Meter hoch gelegenen Kalkstein-Plateaus, den "Causses"
wird noch Schafszucht im nennenswerten Umfang betrieben. Diese Causses werden
von steilen Flussschluchten zerschnitten. Während die Südlage und die
flachen Gebiete der Ebene zum Mittelmeer hin klimatisch stark mediterran orientiert
sind, (heiße Sommer, milde Winter), sind die Causses und Cevennen montan,
Hitze/Trockenheit im Sommer, Schnee und große Kälte im Winter. Daraus
folgen im Sommer Wassermangel und Brandgefahr; im Winterhalbjahr Überschwemmungen,
Frost und Nassschnee - was den Pflegeaufwand ungemein erhöht.
Schutzgebiet Ranquas
Das Naturschutzgebiet Rieutord fiel 1996 politischen Interessenspielen zum
Opfer. So bleibt das "Ranquas" im Sérannegebirge, was mit internationaler
Hilfe vieler solidarischer Einzelpersonen, Gruppen und Paten zum Modellprojekt
ausgebaut werden konnte. Das 193 Hektar große Schutzgebiet, dessen Jagdschutzgebiet
mit totalem Jagdverbot (eine absolute Rarität hier!) durch einen weiteren
Grundbesitzer 230 Hektar umfasst, wurde 1993 gekauft, nachdem es 5 Jahre unter
Pacht unterhalten war.
Das Ranquas weist eine große Zahl verschiedener Vegetationstypen auf,
die im Wechsel zwischen oft extremen Klima- und Bodenbedingungen und menschlichen
Aktivitäten entstanden sind. Der heutige Zustand ist ein Mosaik aus weit
vorangeschrittenen Regenerationsstadien (Wälder), noch gut erhaltenen Weideflächen
(niedere Garriguen, Rasen mit steppenartigem Charakter) und weitgehend unbeeinflussten
Flächen mit hoher Garrigue in der Umgebung.

Die etwa 360 Arten verschiedener Farn und Blütenpflanzen, die im Untersuchungsgebiet
vorkommen, weisen auf diese große Vielfalt hin. Das Ranquas ist Lebensraum
von charakteristischen Arten der trockenen Hochplateaus und der Garrigue, sowie
auch der Wälder. Die wildromantischen Gorges de la Vis, haben wiederum ihre
eigene Flora - mit zum Teil seltenen und stark spezialisierten Arten. Die geobotanischen
Verhältnisse sind wissenschaftlich sehr interessant. Nicht zuletzt aufgrund
der geographischen Verhältnisse kommen hier verschiedenen Geoelemente zusammen:
Am Ranquas sind mediterrane, submediterrane und deutlich montane Arten nebeneinander
zu finden.
Die pflanzengeographische Grenzlage zeigt sich auch daran, dass einige
Arten hier eine regionale Verbreitungsgrenze erreichen. So kommt z.B. die Acanthusblättrige
Silberdistel, eine typische Pflanze der Causses du Larzac, bis in die submediterranen
Plateaubereiche des Ranquas vor. Eine seltene Art ist der Gelbe Lauch; einige
Orchideenarten haben im Gebiet bedeutende Populationen (Pyramidenorchis, Wanzen-Knabenkraut).
Durch Regenerationsvorgänge (natürliche Sukzession) ist ein Zustand
erreicht, in dem die Vegetation das Gelände bereits wirksam vor Erosion schützt.
Dieser Zustand sollte durch eine sorgfältig geplante Nutzung erhalten bleiben.
(ökologische Bewertung aus der botanischen Kartierung von Thomas
Borsch, 1989)
Zahlreiche Biotopkartierungen laufen bzw. liefen für eine Antrag auf Ausweisung
als Naturschutzgebiet. So wurden im besonderen Flora, Vögel, Säuger,
Heuschrecken, Schmetterlinge, Amphibien und Reptilien kartiert; also in ihrem
Vorkommen und Verteilung im Gebiet festgehalten.
Pflege und Entwicklung des Schutzgebietes
Die Zielsetzung, sowohl das Steinadlerpaar zu erhalten, wie auch den Flaumeichen-Elsbeerenwald
(Quercetum pubescenti-petraeae) wiederherzustellen, erfordert einen Pflegeplan
mit einer "relativ" langen Laufzeit, braucht doch der Wald etwa 400 Jahre, um
sich wiederherzustellen, von denen wir erst knapp 60 Jahre hinter uns haben! Um
erneuter Abholzung und dem Vorverkaufsrecht der Landwirtschaftskammer zu entgehen,
muss das Problem des Eigentums von einzelnen "natürlichen" Personen bewältigt
werden. Deswegen gründen wir gerade eine "Société civile-groupement
foncier rural", die das Eigentum des Schutzgebietes Ranquas übernimmt und
langfristig den Schutz garantieren soll. Die eigentliche Arbeit wird von einem
Verein organisiert, der "Association Gestion-Réserve". Mit der Fertigstellung
der Naturschutzakte mit Pflegeplan könnte das Gebiet in einen staatlichen
Naturschutzfond übergeben werden.
Freiwillige aus ganz Europa machten das Ranquas zum Treffpunkt vieler engagierter
Menschen. Sie halfen mit, Teiche anzulegen, den naturnahen Waldbau beim Wiederaufbau
des übernutzten Flaumeichen-Elsbeerenwaldes voranzutreiben und bauten die
Infrastruktur für eine extensive Pflegeschafherde mit auf. So entstand auch
ein wildschweinsicherer Pflanzgarten, wo die kleinen Bäume, Eisbeere, Speierling,
Linde, Wildapfel und Wildbirne, wie Eibe aufgezogen werden.
Das Steinadlerpaar ist u.a. mit einem Kunsthorst ausgestattet worden und dankt
durch die beste Reproduktion der von uns beobachteten Paare. Eine für Habichtsadler,
Steinadler und Uhu tödlich gefährliche Stromleitung konnte 1989 abgebaut
werden. 1997 brütete zum ersten Mal neben Steinadler und Wiedehopf der extrem
seltene Rötelfalke im Gelände. In dem 152 Quadratkilometer großen
Jagdgebiet des Ranquasadlers werden mittlerweile auch "Trittsteinbiotope" finanziert.
Rückschläge, wie 1996 der Tod von 14 adulten Schafen durch wildernde
Hunde oder ins Gebiet einbrechende Kühe, die durch fehlgeleitete Landwirtschaftspolitik
zahlreich eingeführt sind und enormen Schaden anrichten, müssen verkraftet
werden. Die Förderung des naturnahen Waldes, einst fast völlig abgeholzt
und in seinem natürlichen Artengefüge entmischt, erfordert viel Einsatz.
PraktikantInnen und anderen hilfreichen Menschen, die hier ihren Urlaub investieren
viel Kraft und Energie. Entschädigt werden sie nur durch die Freude an der
Erhaltung und Verbreitung des Artenreichtums und - natürlich -
durch die grandiose Landschaft.
Für die Menschen ist in St. Jean de Buèges ein Ökomuseum mit
einer Ausstellung über praxisorientierte Naturschutzarbeit geplant. Hier
fehlt es allerdings noch an den Finanzen, das renovierungsbedürftige Gebäude
existiert schon und wird momentan als Lager genutzt.

Da öffentliche Mittel oftmals von Verwaltungen und Jägerlobby
blockiert werden, finanziert sich das Projekt fast ausschliesslich über Patenschaften,
von denen wir noch ganz viele benötigen!! Neben der fünfjährigen
Pflegeschafpatenschaft können Sie auch als Elsbeeren-Paten oder bei der Förderung
des Steinadlers dabei sein! Machen Sie mit und werden Sie "Projektpartner Séranne"!
Die Natur dankt es sichtbar.
Falls Sie Fragen haben oder das Projekt fördern möchten,
nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf:
Horizons Séranne
c/o Christian Petty
F-34380 St. Jean de Buèges
Tel: 0033-467731119 / Fax: 0033-467731084
E-Mail: ranquas@seranne.de
Wir organisieren Führungen im Schutzgebiet, Spender erhalten den Tätigkeitsbericht,
der einmal pro Jahr erscheint. Da wir keine festen Bürotätigkeit haben
(wegen der Kosten) und oft viele Tage im Gelände sind, bitten wir um etwas
Geduld bis zur Antwort!!
Website vom Naturschutzprojekt Ranquas:
www.naturschatz.org
GESTALTUNG: Philipp Küchler | TEXT: Christian Petty
- Horizons Séranne | FOTOS: © Philipp Küchler
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